Trachten prägen Wechmar, ein Dorf als Trachtenhauptstadt

Trachtenfest am 13. Juli 2019 ein Vierteljahrhundert nach dem 1.Gesamtdeutschen Bundestrachtenfest
Von Knut Kreuch, 1. Vorsitzender des Wechmarer Heimatverein e.V.

Die Vorgeschichte

„Wechmar, dich gibt’s nur einmal“, anders kann man das unglaubliche Glücksgefühl gar nicht beschreiben, dass die Menschen am 13. Juli 2019 im Bach-Stammort verspürten. Warum? Ein Dorf malerisch im Tal der Apfelstädt gelegen, öffnete seine Herzkammer zum Festplatz und ein Tor ins Thüringer Burgenland Drei Gleichen schien aufgestoßen. Nun hieß es: „Willkommen ihr Trachtenleute“, die ihr vor einem Vierteljahrhundert zum 1.Gesamtdeutschen Bundestrachtenfest, schon einmal in Wechmar gewesen seid. Nicht 178 Vereine mit 7.500 Mitwirkenden aus 12 Ländern sollten kommen, sondern jeweils ein paar Akteure pro Verein, um die Vielfalt der deutschen Trachtenlandschaft zu dokumentieren. Sie kamen alle. Und sie kamen gern.

Eine ganze Woche im Vorfeld zitterten die Akteure im Vorbereitungsteam, ob die Gäste bei 38 Grad Celsius in der Hitze gebraten werden, wie vierzehn Tage zuvor beim Thüringentag in Sömmerda oder ob die Gäste mit den Fluten herabstürzender Gewittergüsse voller Hagelschlag gar nicht erst zum Fest erscheinen. In Wechmar war es anders. Gottseidank. Zwar öffnete der Himmel seine Schleusen, als die fleißigen Bühnenhandwerkerinnen und Handwerker am Freitag den Festplatz und das große Zelt putzten. Doch wer glaubt schon einer WetterApp im Smartphon, die 60-80 Prozent Feuchtigkeit vorhersagt, wenn man den Mut der Wechmarer zu schätzen weiß, bei solchen Wetterkapriolen ein Fest zu organisieren. Diese Zuversicht wurde belohnt – am Samstag blieb es trocken und kühl, somit das richtige Wetter, um in der Tracht beim Tanze nicht zu schwitzen.

Der Festverlauf

11 Uhr – die Glocken von Sankt Viti rufen zum Festgottesdienst. Ein Trachtenzug, angeführt von den Wechmarer Mühlenpfeiffern, in den sich der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow sowie Bürgermeister Jens Leffler einreihten, zog beschwingt vom Landhaus Studnitz in die größte Dorfkirche Thüringens ein. Superintendent Friedemann Witting und Pfarrer Matthias Müller gestalteten den von den Chören aus Seebergen und Wechmar musikalisch umrahmten Gottesdienst. Ein Höhepunkt waren dabei sicherlich die von einer Saarländerin, einer Niedersächsin, einem Bayern, einem Baden-Württemberger, dem Thüringer Trachtenpaar und einem Wechmarer vorgetragenen Fürbitten.

Mit einem langen Zug aller Trachten, angeführt von den Nessetaler Musikanten, ging es von der Kirche auf den Dorfplatz, wo bereits der Thüringer Mittagsschmaus gerichtet war. Ganz nach dem Motto „Ohne Klöße verliert ein Trachtenfest an Größe“ ließen sich die Gäste aus nah und fern die Thüringer Köstlichkeiten munden. Bereits ab 12 Uhr hatte „Eine kleine Blasmusik“ aus Erfurt im Festzelt Platz genommen und bot mit einem Ohrenschmaus ein unglaublich gutes, fein abgeschliffenes und unterhaltsames Konzert bekannter Heimat- und Volkslieder.

Ministerpräsident Bodo Ramelow, Landrat Onno Eckert und Bürgermeister Jens Leffler begrüßten nun persönlich die anwesenden 44 Abordnungen von Trachtenvereinen, die aus Baden-Württemberg, Bayern, dem Saarland, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Schleswig-Holstein und aus Thüringen kamen. Alle Vereine erhielten das Kleeblatt, eine Erinnerungsgabe des Wechmarer Heimatverein. Fünf Musikgruppen umrahmten das Fest musikalisch.

Mit Qualität und Vielfalt überzeugte der Wechmarer Heimatverein im Anschluss in seinem Festprogramm „Wechmar – dich gibt’s nur einmal“, dem Titel, der von Natalie gesungen, gleich den Anfang des 150 minütigen Programmes bildete. Ob die Trachtentanzgruppe und die Mundartschwätzer, die Studnitztänzer und der Alphornspieler, der Akkordeonist und die Gesangsvereinigung Seebergen, der Wechmar-Chor und die Studnitzminis, die Wechmarer Mühlenpfeiffer und die Studnitzmäuse alle rund einhundert Mitwirkenden gestalteten eine eindrucksvolle vielfach bewunderte und bejubelte Leistungsschau lebendigen Brauchtums. Nach dem Lied „Vor 25 Jahren, da war hier Trachtenfest….“, das der Rennsteig Musikverlag Gerd Bloch extra für das Fest arrangierte, versammelten sich alle Mitwirkenden auf der Bühne und ein ganzer Saal sang, das alte deutsche Volkslied „Wahre Freundschaft“. Viele hatten dabei Tränen in den Augen.

Der Trachtenverein Schumlach brachte mit Fahnenschwingern, Blaskapelle, Schwerttänzern und Volkstänzern dem Jubiläumsfest ein Ständchen und tanzte dabei nicht nur im Festzelt, sondern mitten auf der Straße vor dem BACH-STAMMHAUS. Diesem Spiel der Lebensfreude schloss sich der Trachtenverein „Sieben Täler“ aus Tambach-Dietharz an, die mit ihren schwungvollen und ausdrucksstarken Tänzen gleichzeitig den Übergang zum Abendprogramm bildeten. Selbst die Spielleute von „Visematenten“ zogen durch Wechmar und spielten auf Bühne und Festplatz.

Den Festabend, in einem toll und stimmungsgeladen gefüllten Zelt, bildete ein „Tanz auf dem Dorfplatz“ mit der Kapelle „Original Wällster Bayern Power“, einem erstklassigen Orchester von sechs Musikern und zwei Musikerinnen, die alle Instrumente beherrschten. Sie boten vier Stunden erstklassige Tanzmusik in langen Tanzrunden, die keine Wünsche übrig ließ und bei den Gästen frenetisch gefeierte Beifallsstürme auslöste.

Weit nach Mitternacht ging der Jubiläumsabend zu Ende und viele Gäste waren sich auf dem Heimweg einig „Wechmar, dich gibt’s wirklich nur einmal“.

Dank

Ohne die Unterstützung der Gemeinde Drei Gleichen, den Fleiß des Bauhofes, die große Sorgfalt des Bauhof-Chefs Thomas Schröder und verständnisvolle Nachbarn, wäre ein solches Fest nicht zu stemmen. Ihnen gebührt am Anfang der herzliche Dank des Veranstalters. Der Freistaat Thüringen, der Landkreis Gotha und die Gemeinde Drei Gleichen haben uns mit Projektmitteln gefördert, wofür wir sehr herzlich DANKE sagen. Die fleißigen Kuchenbäckerinnen sorgten mit 38 Kuchenblechen für einen besonders originellen Leckerbissen. Danke, durch Euch lebt die Tradition des Kuchenbackens in Wechmar weiter. Die Patenkompanie der Bundeswehr und die Agrarprodukte Schwabhausen haben uns dankenswerter Weise beim Auf- und Abbau des Festzeltes sowie bei der Ausschmückung des Dorfes geholfen. Der Wechmarer Heimatverein hat Freunde und Förderer, die uns mit einem Geldbetrag oder geldwerter Leistung den Erfolg des Festes ermöglichten, wofür wir unendlich dankbar sind.

Der Wechmarer Carnevalsverein stellte uns sein Vereinshaus zur Verfügung, die Wechmarer Schützengesellschaft 1814 e.V. salutierte uns zum Ehrengeleit, der Förderverein BACH-STAMMHAUS gestattete uns die Nutzung seines Hauses, die Gemeinde übergab uns kostenfrei den Dorfplatz und den Gemeindesaal.

Unsere Mitglieder waren voll dabei beim Aufbau des Festzeltes im Festgesamtmanagement von Wolfgang, bei der Ausgestaltung der Bühnen unter Federführung von Anita, bei der Bereitstellung von Dekorationen in Sorgfalt von Roland, bei der Gestaltung der Ausstellung im Landhaus durch Hans und Ekkehardt, die Kaffeestube gelang unter Leitung von Elisabet und Gudrun, das Getränkemanagement führte Grit und der Spezialitätenservice Ullrich in Mühlberg war wie immer ein hervorragender Partner, letztendlich war Anita verantwortlich, das immer genügend flüssige Mittel vorhanden waren. Unser tolles Programm verdanken wir unseren engagierten Gruppenleitern und ihren Teams. Alle Genannten stehen stellvertretend für 150 Mitglieder, die jeder auf seine Art und Weise zum großartigen Erfolg des Jubiläumsfestes beigetragen haben.

2019

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